Lemur – Geräusche LP (Review)

cover lemur gerausche herr von grau

Lemur macht bemerkenswerte Geräusche..

Nach der Trennung des Duos Herr von Grau  im April 2014 war es nur kurz ungewiss, wie es mit den Künstlern Benny und Kraatz weitergeht. Denn zur Erleichterung der Fans erschien schnell Lemur auf der Bild- und Klangfläche. Da Benny auch vor dem Split ohnehin schon für fast alle rap- und beattechnischen Angelegenheiten zuständig war, bedeutet dies also dankbarerweise kein Ende für die bekannte und einzigartige Herr von Grau Musik, sondern vielmehr eine Art  Neuorientierung, Selbstbesinnung und -bestimmung.

Diese findet nun seinen ausgereiften Anfang in dem am 30.01.2015 erschienenen Album „Geräusche“ von Benny aka Lemur.  Es ist das erste Soloprojekt des Rappers & Produzenten, über das wie ich finde sehr passende Label Kreismusik, wo auch die Künstler Shaban & Käptn Peng zu finden sind.   Im Vorfeld wurden bereits fünf Videos veröffentlicht, von denen sich drei auch in die Tracklist der Platte einreihen.

Komplett ohne Featuregäste behandelt Lemur verschiedenste Themen. Kapitalismus- und Systemkritik, Anonymität und Einsamkeit im Großstadtdschungel, Drogenkonsum & Rausch, Battlerap auf unvergleichlich gesondertem Niveau, satirische Selbstinszenierung, Problembewältigung. Es ist bunt. Hier gibt es einerseits unverblümte ehrliche Einblicke in Bennys seelisches Innere, worauf er ohrenscheinlich lange schon viel Wert legt und auch was die Außenwirkung betrifft gut gepanzert auftritt („Für dich bin ich nur das was du von mir denkst was ich bin“ – 10. Für dich). Andererseits auch einfach erfundenes packendes Storytelling, mit gewohnt gewaltiger Bildsprache, die gerne bis zu bösestem Gewaltaktionismus hinreicht (“Das hat der Kerl verdient, endlich schweigt diese Schweinskopfsülze. Sie lachte leise, als sie seine Schale mit Eintopf füllte.” 03. KKK).

Der Albumname mit dem dazugehörigen Titeltrack steht sinnbildlich für die Kanalisierung des am Tag Erlebten in metaphorische und tiefsinnige Texte. Persönlicher, scharfzüngiger, tiefgründiger, fesselnder und ironisch witziger Antistummfilm, gedreht durch Lemurs unverwechselbare Brille. „Woher die Inspiration kommt, ist schwer zu sagen, da mich fast alles inspirieren kann, was ich erlebe, sehe und höre. Das kann auch ein Nebensatz in einem Gespräch sein, dass ich zufällig mitbekomme, oder ein Keks.“(Backspin Interview).

Die Texte und die dazugehörige musikalische Untermalung sind komplett in Eigenregie entstanden und weisen klanglich stilistische Parallelen zum letzten grauen Album „Freiflug“ auf. 14-faches Trackrohrfeuer vom Flowpanzerschiff untermalt vom düsteren 4/4-Grollen genialer, elektronischer zum Kopfnicken zwingender Bassbissbomben der gleichnamigen Beathydra! Akustisch authentische Panzerfahrt mit einziger Verschnaufpause beim umdrehen derPlatte – Unglaubliches Vinylgewummer! („Wären meine Beats eine Person, wären sie Darth Vader“10. Für dich). Großartige Atmosphäre!

Bestellung:CD → Vinyl → MP3

Aber kauft das Album am Besten bei ihm persönlich, denn auf Tour geht der Herr natürlich! Und wer schon mal live dabei war, weiß wie gut er das kann. Alle Infos dazu gibt es hier.

Tracklist:

1. Der Anfang vom Ende
2. Was für länger bleibt
3. KKK
4. Mein bester Freund
5. Yeah
6. Eine kleine Hassmusik
7. Du brauchst
8. Geräusche
9. Alles gut
10. Für Dich
11. SM
12. Aufmerksamkeit
13. Tschuldigung
14. Befehlskette

Snippet:

(Phil, Simon & Paul)

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