Interview: Young roDDie

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Young roDDie ist ein aufstrebender Newcomer, der mit smooven Beats und gechilltem Flow und Old School Herz höher schlagen lässt. Im Interview sprach er mit uns über seine neue EP „Momentum“, mit welchem Künster er gerne zusammenarbeiten würde und was die Zukunft noch bringen wird. Das Video zur akutellen Single „Einen Moment nur“ und den Free-Track „Outfit | Mucke“ gibt es hier.

Hallo Young Roddie! Ich hoffe, du bist gut in den Tag gestartet?
Ja, fantastisch! Vielen Dank.

Du machst nicht erst seit gestern Musik, bist aber bestimmt einigen unserer Leser nicht bekannt. Willst du vielleicht kurz etwas zu deinem musikalischen Werdegang erzählen?
Sehr gerne! Durch meine kamerunische Herkunft war ich schon immer von Musik umgeben. In meiner Kindheit gehörte Musik einfach immer dazu. Mein Vater war und ist Musikliebhaber und er hat eine beachtliche Sammlung von Schallplatten und Tapes zu Hause. Er war sozusagen der Dj der Familie und hat meine Ohren seit frühester Kindheit mit sämtlichen Genres beschallt. Meine Eltern waren es auch, die mir die ersten Rap Platten schenkten.

Im Alter von 12-14 schrieb ich erste Songs und bekam Keyboard- sowie Gesangsunterricht. Ich erinnere mich noch daran, als wäre es heute gewesen. Ein paar Monate bevor ich 14 wurde, sah ich Dj Air-Knee von der Jazzkantine zusammen mit David Thomas (Starlight Express) in einem Interview. Ich fand seine Studionummer heraus und sang/rappte ihm was am Telefon vor. Er meinte dann, ich hätte Talent, doch mein Style würde sich noch sehr verändern und ich solle ihn in 2 Jahren noch mal kontaktieren. Das habe ich keinesfalls als negativ aufgefasst, denn nach 2 Jahren hatte ich 2 Crews, ein paar lokale Auftritte und ein selbst produziertes Demo Tape mit Headset eingerappt und eingesungen. Ich rief ihn wieder an.

Er lud mich in sein Studio in Hannover ein und nachdem wir mein Demo angehört hatten, lud er mich eine Woche später in seine Live-Show mit David Thomas und Volkan von Orange Blue ein. Das war mein erster Auftritt mit Profimusikern und für mich definitiv der Punkt, an dem ich wusste, dass das eine große Liebe ist. Das machte ich noch ein paar Mal und spielte ebenfalls mit Leuten wie Rick Washington und Lars „BassProfessor“ Lehmann. Von da an gab es fast nur noch Musik für mich und nach dem Abi kam ich nach Mannheim, um Musik an der Popakademie zu studieren. Ende 2009 bekam ich ein Engagement bei King of Pop – The Show (Tribute to Michael Jackson) und tourte mit dem Ensemble durch Europa und Russland. Das war auch das Jahr in dem ich mein 1. Album „Flowin Is What I Do“ veröffentlichte. Es folgten Auftritte im Ensemble Rock meets Classic mit Jon Lord, Steve Hackett und Chris Thompson, sowie Gigs als Support für Max Herre, Afrob und dem Wu-Tang Clan. Ein paar Mixtapes und eine EP später stehe ich jetzt vor „Momentum“. Jetzt bin ich hier.

Am 29. November veröffentlichst du deine EP MOMENTUM. Was ist das inhaltliche und musikalische Konzept der EP?
Jeder einzelne Track ist für sich genommen eine Momentaufnahme und zusammen ergeben die 7 Tracks der EP den Zustand, den ich Momentum nenne. Ein Zustand, der alles in Zeitlupe erscheinen lässt und in dem man Dinge für sich klar beurteilen kann. Es ist auch das erste Mal, dass ich auf Deutsch zu hören bin. Die Themen der Songs sind sehr vielfältig. Die EP ist sowohl textlich als auch musikalisch wie eine Reise durch verschiedene Gefühlswelten. Dabei ist von „Sich selbst erkennen“, „Loslassen“ bis zu Liebe und Glücklichsein alles dabei.

Wieso ist es kein Album geworden?
Ich wollte nichts erzwingen. Die Momente in denen die Songs entstanden sind, waren für mich fast magisch. Alles fügte sich zusammen, als ob es nicht anders hätte sein sollen. Als ich die 7 Tracks hatte, wusste ich, dass ich nichts mehr an der Konstellation verändern wollte.

Wer produziert deine Beats?
Die Beats mache ich meist selbst, da fast alle meiner Textideen in meinem Kopf schon mit bestimmten Rhythmen und Melodien geboren werden. Hinzu kommt, dass ich oft am Piano schreibe. Dadurch hat jede Idee von Anfang an eine Grundrichtung, der ich irgendwie immer folgen möchte. Ich mag es, wenn Musik aus einer simplen Idee entsteht und ich jeden Schritt des Weges erforschen kann. Trotzdem gibt es da draußen natürlich unheimlich talentierte Beatmaker. Und wenn mich die Art und Weise flasht, bin ich für jeden Sound ziemlich offen. Momentum habe ich jedoch komplett selbst produziert.

Du hast bereits das Video zu „Einen Moment nur“ veröffentlicht. Ein Track von der EP, der aber auch als Single erscheinen wird. Worum geht es genau im Track?
„Einen Moment nur“ ist eine Konversation, in der man glaubt etwas mit einer anderen Person auszumachen und eigentlich ist es di e Auseinandersetzung mit einem selbst. Man hat eine Entscheidung treffen müssen und stöbert durch vergangene Momente, um alles noch mal nachzuvollziehen. (Dabei kommt dieser eine Moment, der einen für einen einzigen Moment zweifeln lässt.)

Welcher Song auf der EP ist dein Lieblingssong und warum?
Das ist schwer. Ich verbinde mit jedem Track ein ganz besonderes Erlebnis. Da die Songs daher unterschiedlicher nicht sein könnten, kann ich leider keinen klaren Favoriten wählen. Das war bei meinen vorherigen Platten anders (lacht). Ich kann aber sagen, dass ich „Let Me Be“ und „Einen Moment nur“ sehr mag, wenn ich an die anderen Tracks denke, kann ich dasselbe sagen 😉 „Don’t Leave“ ist ein wunderschöner Moment und „F*ck My Life“ gönnt es dir einfach. „Nur Dich“ hat etwas ganz spezielles, ich glaube so einen Track habe ich noch nie geschrieben. Die anderen beiden Tracks laden zum Entdecken ein. „Ich bleibe hier“ ist sehr mutig und „More“ sucht nach dem Mehr. Ich glaube ich konnte die Frage nicht wirklich beantworten, oder? 😉

Nicht wirklich, aber trotzdem danke für die genaue Erläuterung.

Mit welchen Künstlern (unabhängig von Geld oder Entfernung) würdest du gerne zusammenarbeiten?
Harry Belafonte, aber der singt leider nicht mehr! ich bin ein sehr großer Fan des Ende 80er und 90er Jahre Hip Hops. Also im Prinzip alle Größen aus dieser Zeit, die jetzt immer noch aktiv sind. Will Smith, Jazzy Jeff, LL Cool J, Nas und R.Kelly sind Personen, die mich in meiner Jugend sehr geprägt haben. Ansonsten gibt es natürlich noch viel mehr Künstler aus verschiedenen Genres, die ich feiere. Michael Bublé ist einer davon. Joy Denalane ist eine meiner Lieblingssängerinnen.

Was ist deine Inspirationsquelle für Songs? Brauchst du zum Schreiben einen bestimmten Ort oder e in Ritual?
Ich versuche jeden Tag aktiv zu erleben. Ich beobachte gern und hab mich schon immer für die Eigenarten und das Verhalten des Menschen interessiert. Reibungspunkte, Auseinandersetzungen und Missverständnisse faszinieren mich, ebenso Sachen, die das Herz höher schlagen lassen. Ich weiß, wie es ist mit schwierigen Bedingungen klarkommen zu müssen oder sich selbst im Weg zu stehen. Durch das Beobachten, habe ich auch einiges über mich selbst gelernt. Ich mag Sprache und wie sie sich durch modische Neuheiten verändert. Gekonnt mit der Sprache zu spielen, die wiederum mit Menschen aller Art kommuniziert, ist für mich eine der größten Künste. Manchmal schreibe ich auch nur, was mit mir los ist und komponiere die Musik so, dass sie mir zuhört, auch wenn es kein anderer tut. Es gibt so viele verschiedene Dinge auf der Welt mit denen man sich auseinandersetzen kann und manchmal auch muss. Und das alleine inspiriert mich schon total.

Ritual, hm.. Ich schreibe die ersten Zeilen meist im Kopf und laufe dabei im Raum herum. Wenn ich herausgefunden habe, was ich wie sagen will, fange ich an aufzuschreiben.

Du bist in Mannheim an der Popakademie als Dozent tätig. Wen und was unterrichtest du dort?
Im Moment habe ich dort als Gastdozent zwei Veranstaltungen. Eine für den Bachelor und eine für den Educating-Master Studiengang. In beiden geht es um den Umgang mit Kreativität, wie man sie weckt, wie man sie mit didaktischen Methoden lenken und für sich bündeln kann, um andere Personen und sich selbst zu inspirieren. Einerseits werden gute technische Tools besprochen, andererseits steht bei jeglicher Vermittlung Kommunikation im Vordergrund und da gibt es viel Nonverbales zu entdecken.

Machst du sonst noch was von dem wir wissen sollten?
Ich betreibe ein Studio in Mannheim (Dàm Black HQ), in dem ich auch die meisten meiner letzten Projekte realisiert habe. Das hat im Jahr 2007 recht klein angefangen und jetzt ziehen wir gerade in etwas größere Räumlichkeiten. Das Studio steht aber nicht nur meinen eigenen Projekten zur Verfügung, wir machen auch Auftragsproduktionen und können ein breites Paket an Dienstleistungen anbieten. Von einer schlichten Aufnahme bis zum ausproduzierten Song ist alles möglich.

Außerdem gebe ich Workshops, in denen es um verschiedene Aspekte der Musik wie etwa softwaregestütztes Produzieren, Songwriting, kreatives Schreiben und Performance geht. Dabei versuche ich bei jungen Kids, die sich für Hip Hop interessieren , die Werte, die mir damals vermittelt worden sind, weiterzugeben. Ich denke was das anbetrifft, bin ich einfach Old School. Die Workshops sind zudem sehr vielseitig. Das geht dann schon von reinen Hip Hop Projekten wie Respect! Heidenheim , bei dem Samy Deluxe Schirmherr war , und Rap & Respect Mannheim für das O2 Media College über Projekte der Popakademie Baden-Württemberg wie InPop & School of Rock, bis zu Projekten für die Mörike Gesellschaft und Stiftung Lesen. Das macht mir einfach unheimlich viel Spaß sowohl mit Kids und Erwachsenen, als auch mit Lehrern zu arbeiten und gibt mir auch unheimlich viel zurück.

Musiker ist selten ein Beruf, den man als junger Mensch vom Computer im Arbeitsamt ausgespuckt bekommt. Daher bitte vervollständige den nächsten Satz: „Wäre ich nicht Musiker, dann wäre ich … geworden und zwar weil … .
„Wäre ich nicht Musiker, dann wäre ich zu gerne Anwalt geworden und zwar, weil ich als Kind immer Matlock geguckt habe 😉 Das Argumentieren, sowie der Umgang mit dem Recht beeindruckten mich. Auch die Tatsache, dass Recht zu haben und Recht zu bekommen zwei Paar Schuhe sind, zeigte mir, wie nahe es am normalen Leben dran ist. Allzu weit entfernt von Rap ist es demnach auch nicht. Sprache, Auslegung und Interpretation spielen dort ebenfalls eine große Rolle. Natürlich muss man, um praktizieren zu können, einen langen Weg mit viel Auswendiglernen zurücklegen, was im Kontrast zu einem kreativen Job steht. Psychologie hätte mich auch gereizt.

Wo kann man dich demnächst Live erleben?
Ich bin im November in Portugal auf der Sag’s Auf Deutsch Tour für das Goethe-Institut. Danach steht ein „Momentum“ Release-Event an, zu dem es dann noch nähere Infos geben wird.

Was sagst du zur derzeitigen Hip Hop Kultur in Deutschland? Ist Hip Hop bereits tot? Wie stehst du zu Rap in den Charts?
Ich habe Hip Hop Is Dead sehr gefeiert! Nicht nur als langjähriger Nas Fan, sondern auch aus dem Grund, dass dieses Album es in einem einzigen Moment geschafft hat, den Stand von Hip Hop weltweit, öffentlich zu thematisieren und zu Dialogen dieser Art anzuregen.

Schön finde ich die Vielfalt an neuen Sachen. Berührungsängste mit anderen Genres und Styles sind so gut wie nicht mehr vorhanden. Das lädt zum Experimentieren ein. Was ich aber nie gefeiert habe sind Leute, die sich auf die Schultern dieser jungen Kultur stellen, aber keinerlei Respekt vor ihrer Historie haben.

Ich glaube, dass deutscher Hip Hop lange nicht mehr so viel zu bieten hatte wie jetzt und dass es wieder mehr Musikhörer gibt, die auch auf Qualität achten. Das fällt vor allem in der wiederaufgeblühten Battle Szene auf. Das „Was“ und das „Wie“ bekommen so langsam wieder mehr Relevanz. Ich habe letztens ein paar Sachen von Chefket, Raf Camora und MoTrip gehört, die ich sehr nice fand!

Was die Charts anbetrifft, lässt die Vielfalt natürlich ein bisschen nach. Schade finde ich es dann, wenn es nur noch überdramatische Texte gibt, die in cineastisch gebauten Beats voller irreführendem Pathos versinken, bei dem eigentlich keiner am Ende die Aussage erkennt. Oder wenn nur noch Party Songs laufen, die so anspruchslos sind, dass, obwohl man sich wehrt, man am Ende doch die Lyrics kennt. Das ist zwar bekanntlich meckern auf höherem Niveau, aber auf dem sollte man sich doch bewegen wollen, oder?

Da kann ich dir nur zustimmen.

Danke für das aufschlussreiche Interview. Abschließend noch eine Frage: Gibt es schon musikalische Pläne für das nächste Jahr bzw. was dürfen wir noch von Young Roddie erwarten?
Ich habe schon konkrete Ideen für eine neue Platte. Sie wird wohl an den neuen Stil von „Momentum“ anknüpfen, aber wahrscheinlich doch wieder ganz anders werden.

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