Der Hamburger Rapper Elvis über Musik, Fußball und Rassismus (Interview)

elvis_presse_5Rap und Fußball, zwei Leidenschaften die sich vereinen lassen? Für den Hamburger Rapper Elvis und bekennenden HSV-Fan eine Selbstverständlichkeit. Doch Elvis macht seine Musik nicht nur für den Verein und die Fans, sondern möchte auch den geneigten Hörer deutschsprachiger Rap-Musik im allgemeinen erreichen. Am heutigen Freitag veröffentlicht er sein Album „Grenzenlos“. Worum es inhaltlich geht, wie es kling und warum er dem Rassismus im Sport, aber auch generell im Leben den Kampf angesagt hat, verrät er uns in einem ausführlichen und sehr spannenden Interview. Das Snippet zum Album gibt es hier.

 

Hallo Elvis! Schön, dass wir mit dir ein wenig plaudern dürfen. Wie geht es dir?

Moin, vielen Dank! Mir geht es, abgesehen von der aktuellen Situation beim HSV, sehr gut. Ich bin wahnsinnig gespannt, wie den Leuten mein neues Album gefällt und freue mich besonders auf das Release Konzert am 20.04. in Hamburg / Dammtor.

 

Heute kommt ja dein neues Album „Grenzenlos“ raus. Möchtest du uns kurz erzählen, worum es inhaltlich geht?

Der Name des Albums ist gleichzeitig auch als Motto zu verstehen. Inhaltlich habe ich mir bewusst keine Grenzen gesetzt und so finden sich direkt neben sehr persönlichen Texten (z.B. „Gedankenjagd II“) auch Songs zum Feiern (z.B. „Dreizweilos“) und neben sehr kritischen Nummern (z.B. „Nichts Besonderes“) natürlich auch wieder Songs mit Fußballthematik (z.B. „Blaues Wunder“). Dabei werden diesmal allerdings auch vermehrt überregionale Themen aufgegriffen, so handelt es sich bei dem Song „Unser Spiel“ z. B. um eine musikalische Kritik an der massiven Kommerzialisierung des Fußballs und der zunehmenden Unterdrückung der Fankultur.

 

Wie sieht es mit dem Sound aus? Was dürfen wir erwarten?

Auch für den Sound gilt der Albumtitel als Wegweiser. Dabei war es mir vor allem wichtig, dass alle Songs sowohl im Gesamtwerk als auch für sich alleine stimmig klingen und jeder Titel eine individuelle Atmosphäre schafft. Dazu tragen nicht zuletzt auch die Gastgesänge von Gano („Heimatkind“) und Olly („Hamburger Jungz“) bei, die auf dem Album für zusätzliche musikalische Glanzpunkte sorgen. Darüber hinaus bin ich ein großer Freund von kleinen Überraschungen und so finden sich auch auf meinem zweiten Album zum Teil eher untypische Kombinationen aus z.B. thematisch anspruchsvollen Texten und musikalisch eher aus der Partyecke stammenden Beats.

 

Fußball und vor allem der HSV sind deine Leidenschaft. Wie kamst du auf die Idee, deine Musik mit diesem Thema zu verbinden?

Tatsächlich gibt es in meinem Leben mit Fußball und HipHop zwei große Leidenschaften. Ich selbst habe in meiner Jugend zehn Jahre Vereinsfußball gespielt und mit 14 Jahren meine Begeisterung für (insbesondere deutschen) Rap entdeckt. In der Krisen-Saison 06/07 habe ich dann zum ersten Mal beide Leidenschaften kombiniert und einen Song über den HSV gemacht, um mich und andere Fans zu motivieren („Unabsteigbar“). Die Reaktionen waren überwiegend positiv und ich habe gemerkt, wie viel Spaß mir diese Kombination macht. In den folgenden Jahren sind dann nach und nach immer mehr Songs mit Fußball- bzw. HSV-Thematik entstanden. In den Jahren 2009 und 2010 haben wir dann jeweils ein kostenloses Mixtape vor dem Stadion verteilt und über das Internet verbreitet, bevor ein Jahr später mein erstes offizielles Album „Einer von Euch“ erschienen ist.

 

Nicht alle HSV-Fans werden wahrscheinlich sonst Berührung mit Rap haben. Wie kommt deine Musik an?

Zu Beginn hatten wir diesbezüglich tatsächlich richtige Probleme. Leider hatten und haben viele eine, von den Medien und dämlichen Klischees belastet, ziemlich schlechte Meinung von Rap. Auch unter HSV-Fans gab es daher sehr viele Vorurteile, so dass einige nicht mal in die Songs reingehört haben. Das hat sich durch Hartnäckigkeit und die zunehmende Offenheit der betroffenen Personen zum Glück inzwischen sehr geändert. Auch und gerade die älteren Semester hören inzwischen meine Musik und beweisen damit, dass Rap weit mehr als nur eine Jugendkultur sein kann.

 

Einige Zuhörer sind vielleicht keine Fußball- bzw. HSV-Fans und leben auch nicht in Hamburg. Denkst du, die Thematik deiner Musik könnte dir deinen Fanradius beschränken?

Meine Musik spiegelt mich und mein Leben wider. Es geht mir dabei weder um einen potenziellen Fanradius noch um sonstige Kalkulationen. Auf meinem Album finden sich sehr viele verschiedene Themen wieder, so dass Nicht HSV-Fans genauso wie Menschen ohne besonderes Interesse am Fußball sich die Songs sehr gut anhören können. Zusätzlich gibt es zum neuen Album eine „Limited Edition“, in der es neben diversen Merch-Artikeln (Flaschenöffner, Metall-Pin, Autoaufkleber) auch elf weitere Songs in Form eines Download Gutscheins gibt. Unter diesen findet sich auch die „Herz“-EP, auf der es ausschließlich persönliche Songs zu hören gibt, die weder direkt mit dem HSV noch mit Fußball zu tun haben. Es sollte also wirklich für jeden etwas dabei sein, der seine eventuellen Vorurteile überwinden kann und sich das ganze anhört.

 

In dem Song „Kein Platz“ geht es um Gewalt und Rassismus im Sport, aber auch generell im Leben. In den Medien bekommt man auch als Nicht-Fußballfan Einiges mit. Wie sieht die Problematik konkret aus? Was erlebt man im Stadion?

Es war mir persönlich sehr wichtig, einen Song mit dieser Thematik auf dem Album zu haben, da ich bereits vor einigen Jahren in diesem Bereich musikalisch aktiv geworden bin. Leider ist dieses Thema immer noch aktuell, auch wenn es in den Medien oft nur zugespitzt dargestellt wird. Davon hat am Ende des Tages dann auch keiner etwas. Mir geht es insbesondere darum, mich in dieser Diskussion klar zu positionieren. Wir haben z.B., einzig und allein aufgrund unserer Musikrichtung, bereits rassistische Sprüche an den Kopf geworfen bekommen. Gewalt und Rassismus dürfen niemals in der Mitte der Gesellschaft ankommen und wir alle sind dafür verantwortlich. Im Stadion ist es, entgegen der medialen Darstellung, im Bezug auf Gewalt nach meinen Erfahrungen nahezu immer friedlich. Leider finden sich allerdings auch hier einige Leuchten, die sich abfällig über die Nationalitäten der Spieler äußern und dabei auch keinen Unterschied zwischen der eigenen Mannschaft oder dem Gegner machen. Selbst wenn viele dieser Sprüche einen weit geringeren Hintergrund haben, als dies zunächst scheinen mag, bin ich der Meinung, dass diese Unsitte einfach nichts mit meinem Verein im Speziellen oder meinem Sport im Allgemeinen zu tun haben darf. Der Song beschränkt sich dabei allerdings bewusst nicht auf die Fußballszene, sondern behandelt die Thematik in der gesamten Gesellschaft, von der die besagte Szene nur einen kleinen und  meiner Meinung nach bis auf ganz wenige Ausnahmen enorm friedfertigen Querschnitt darstellt.

 

Kannst du dir vorstellen, ein Album zu machen, in dem es nicht um Fußball bzw. den HSV geht?

Wie bereits beschrieben, spiegeln meine Songs immer mein Leben wider. Da Fußball und der HSV in diesem wichtige Rollen spielen, ist es eher unwahrscheinlich, dass beides komplett aus meinen Texten verschwinden wird. Es gibt allerdings bereits jetzt schon diverse Songs, die sich nicht unbedingt um die genannten Themen drehen und ich halte grundsätzlich nichts davon, mich diesbezüglich irgendwie zu beschränken. Meiner Meinung nach geht es auf „Grenzenlos“ genauso wie auf dem Vorgänger „Einer von Euch“ nicht vorwiegend um Fußball oder den HSV, sondern schlicht und einfach um mein Leben, meine Erlebnisse und Wahrnehmungen. Wer sich von der dabei entstanden Schnittmenge nicht abschrecken lässt, entdeckt mit Sicherheit diverse interessante Facetten in den Songs.

 

Mit welchem Künstler würdest du gerne einmal zusammenarbeiten?

Am Liebsten arbeite ich mit Künstlern zusammen, mit denen ich auch persönlich auf einer Wellenlänge bin. Daher gibt es eher Künstler, die ich gerne einmal kennen lernen würde, um dann im Anschluss eine eventuelle Zusammenarbeit auszuloten, nicht aber bestimmte Namen, mit denen ich unbedingt mal einen Song machen wollen würde. Interessant wäre es, darüber hinaus mal mit dem einen oder anderen Fußballprofi musikalische Experimente zu starten. Außerdem hoffe ich, in Zukunft auch die Hörer selbst (z.B. über Chorgesänge) mehr in die Songs zu integrieren.

 

Letztes Jahr warst du mit der Band ABSCHLACH! auf Tour. Was waren für dich bis jetzt die lustigsten Erlebnisse auf Tour?

Es gibt bei praktisch jedem Auftritt so viele lustige und schöne Erlebnisse, da ist es fast unmöglich, einige wenige herauszugreifen. Die Tour mit ABSCHLACH! war absolut großartig und hat unfassbar viel Spaß gemacht. Ich erinnere mich da an Auftritte auf einsamen Bergen vor knapp zwanzig Leuten, unzählige wirklich verrückte Locations und eine Ansammlung von Tour-Insidern der Spitzenklasse. Wir haben aber auch in den Jahren zuvor und den Monaten danach schon diverse Kuriositäten erlebt und in diesem Zusammenhang schon  auf Europaletten, Bierkisten und Balkonen, in Wohnzimmern, Partykellern und Kneipen gespielt. Es macht einfach wahnsinnig Spaß, live aufzutreten und wir freuen uns wirklich sehr über jede Anfrage.

 

Gibt es schon Pläne nach dem Album oder ist jetzt erst mal eine kleine Ruhephase angedacht?

Da die Musik nicht mein Beruf ist und ich damit höchstens ein kleines Taschengeld verdiene, bin ich leider diesbezüglich immer wieder zu sogenannten Ruhepausen gezwungen. In den nächsten Monaten hat auf jeden Fall mein Studium absolute Priorität, was danach passiert, kann ich noch nicht genau sagen. Vieles hängt dabei auch immer davon ab, wie das neue Album ankommt und ob sich die Kosten überhaupt damit decken lassen. Ideen gibt es aber mit Sicherheit noch genug, ich schreibe deutlich mehr Songs, als ich letztendlich aufnehme und nehme meistens auch mehr auf, als ich veröffentliche. Wenn weiterhin Interesse an meiner Musik besteht und ich den Spaß an dieser nicht verliere, ist es durchaus möglich, dass noch das eine oder andere Lied entsteht.

 

Vielen Dank für das Gespräch. Die letzten Worte gehören natürlich dir …

Vielen Dank für die interessanten Fragen, ich würde mich sehr freuen wenn wir alle mit weniger Vorurteilen an die Dinge herangehen würden und hoffe, dass euch mein neues Album „Grenzenlos“ gefällt. Mehr Informationen dazu gibt es auf www.elvis-hsv.de und wer mir persönlich seine Meinung dazu sagen möchte, ist auf facebook.com/elvishsv genau richtig.

In diesem Sinne, bis bald und
NUR der HSV!

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